Electricity purchasing

Festpreis-Stromtarif für Unternehmen: Vorteile, Risiken und Alternativen

Ein Festpreis-Stromtarif für Unternehmen bietet Planungssicherheit, schützt jedoch nicht vor einem ungünstigen Einkaufszeitpunkt und schränkt die Nutzung sinkender Marktpreise ein. Erfahren Sie, wann ein Festpreis passt und wann sich Alternativen lohnen können.

Ein Festpreis-Stromtarif für Unternehmen bietet Planungssicherheit, schützt jedoch nicht vor einem ungünstigen Einkaufszeitpunkt und schränkt die Nutzung sinkender Marktpreise ein. Erfahren Sie, wann ein Festpreis passt und wann sich Alternativen lohnen können.

Written by:

Anne Fischer

Hand unterschreibt einen Festpreis Stromtarif vertrag

Aktualisiert am 07. Oktober 2026

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Ein Festpreis Stromtarif bietet Planungssicherheit, birgt aber das Risiko eines ungünstigen Einkaufszeitpunkts.

  • Ein Festpreis-Stromtarif sichert den vereinbarten Preis für eine bestimmte Liefermenge und Laufzeit, das erleichtert die Budgetplanung.

  • Ob ein Festpreis Tarif wirklich passt, hängt von Verbrauchsprofil, Planbarkeit, Flexibilität und Risikotragfähigkeit ab.

  • Der Preis des Tarifs hängt vom Einkaufszeitpunkt ab: Ein Festpreis schützt nicht vor einem ungünstigen Zeitpunkt beim Vertragsabschluss.

  • Strukturierte Beschaffung kann eine Alternative sein, sie verteilt den Einkauf auf mehrere Zeitpunkte oder Bausteine.

Für viele Unternehmen wird der Stromeinkauf immer mehr zu einer strategischen Aufgabe. Dabei stellt sich die Frage, ob ein klassischer Festpreis die beste Lösung ist oder doch eine andere Strombeschaffung. 

Welche Beschaffungsform schlussendlich die sinnvollste ist, hängt von Ihrem individuellen Verbrauchsprofil und Ihrer Risikotragfähigkeit ab.

In diesem Beitrag erfahren Sie, wie ein Festpreis funktioniert und wann er sinnvoll ist. Außerdem erhalten Sie einen Überblick über die alternativen Möglichkeiten der strukturierten Strombeschaffung und in welchen Szenarien diese Beschaffung die passende ist.

Was ist ein Festpreis beim Strom?

Der Festpreis Stromtarif ist die verbreitetste Art, Strom einzukaufen. Dafür werden der Lieferzeitraum und die Liefermenge zu einem fixen Preis je kWh festgehalten. Der Preis für die einzelne Kilowattstunde wird dabei maßgeblich durch den Zeitpunkt des Vertragsabschlusses beeinflusst. Der Stromanbieter nimmt dafür den tagesaktuellen Strompreis, ergänzt einen Risikoaufschlag für potentielle Preisschwankungen und legt so einen festen Preis fest. 

Den Aufschlag, kann man wie eine Versicherung verstehen. Sollte der Strompreis an der Börse extrem steigen, bleibt der Preis stabil, das ist die Versicherung. Fällt der Strompreis an den Börsen, bleibt der Preis jedoch ebenso auf dem gleichen höheren Niveau und überlässt den Gewinn dieser Preisschwankung dem Stromanbieter.

Wann ist ein Festpreis sinnvoll?

Der Festpreis ist also besonders sinnvoll, wenn Stabilität und Planbarkeit die höchste Priorität haben. Unternehmen mit einem planbaren Verbrauch können mit einem Festpreis gut versorgt sein. Besonders dann, wenn es sich nicht um einen sehr energieintensiven Betrieb handelt und der Verbrauch nicht flexibel verteilt werden kann.

Was kann ein Festpreis nicht leisten?

Die Einschränkungen eines Festpreises erleben Sie, sobald ihr Verbrauch flexibel gesteuert werden könnte oder ein Batteriespeicher gekauft werden soll.Auch dann, wenn Sie sinkende Preise nach krisenhaften Zeiten erleben und von diesen Stagnationen profitieren wollen, sind die Grenzen des Festpreises erreicht. 

Der Festpreis schützt vor Schwankungen während der Laufzeit, aber nicht vor einem ungünstigen Einkaufszeitpunkt.

Bei schwankenden Verbrauchen im eigenen Unternehmen kann es sinnvoll sein, hohe Verbräuche auf günstige Zeitpunkte zu legen. Ebenso können Speicher bei energieintensiven Betrieben Kostenersparnisse liefern, durch das Vermeiden von Strom Einkäufen bei hohen Börsenpreisen. Wenn Sie diese Ideen in Ihrem Unternehmen umsetzen möchten, kann sich ein Blick auf die strukturierte Strombeschaffung lohnen.

Der Festpreis ist also besonders sinnvoll, wenn Stabilität und Planbarkeit die höchste Priorität haben. Unternehmen mit einem planbaren Verbrauch können mit einem Festpreis gut versorgt sein. Besonders dann, wenn es sich nicht um einen sehr energieintensiven Betrieb handelt und der Verbrauch nicht flexibel verteilt werden kann.

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Der Festpreis im veränderten Strommarkt: Wieso auch alternative Beschaffungsmodelle interessant werden

Die Veränderungen des Strommarkts über die letzten Jahre haben nicht nur zu einer Verteuerung des Grundpreises geführt, sondern auch zu einer Zunahme der Volatilität. Die maximale Preisschwankung an einem Tag lag 2019 durchschnittlich bei 3 Cent und 2022 bei knapp 19 Cent (Zahlen vom Day-Ahead-Markt) [3]. Der Umgang mit dieser Volatilität ist die größte Herausforderung am aktuellen und zukünftigen Strommarkt. 

Die Veränderungen sind das Ergebnis geopolitischer Instabilität und den dadurch veränderten Bedingungen am Weltenergiemarkt. Der Ausbau erneuerbarer Energie bringt neben nachhaltigem und potentiell günstigerem Strom auch größere Schwankungen mit sich. Dieser Ausbau ist über die letzten Jahre immer weiter gestiegen und sollen laut Bundes Ziel noch weiter steigen. Ein Umgang mit schwankenden Preisen und erneuerbaren wird so unerlässlich.

Jahr

Investitionen in neue erneuerbare Anlagen

Erneuerbare am Bruttostromverbrauch

2021

ca. 13 Mrd. €

ca. 41 %

2022

ca. 22 Mrd. €

ca. 46%

2023

ca. 38 Mrd. €

ca. 53%

2024

ca. 32 Mrd. €

ca. 54 %

2025

ca. 38 Mrd. €

ca. 55 %

2030 

–

mindestens 80 %*

*Das Bundesziel laut EEG: Bis 2030 sollen mindestens 80 % des Bruttostromverbrauchs aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. [1][2] 

Die steigende Vielfalt der Stromerzeuger bietet mehr Chancen und mehr Flexibilität. Der richtige Umgang erfordert Expertise und zeitliche Ressourcen, um die Möglichkeiten des veränderten Strommarkts zu nutzen.

Wie funktioniert die strukturierte Strombeschaffung als Alternative zum Festpreis?

Bei einer strukturierten Strombeschaffung wird der erwartete Gesamtbedarf nicht an einem einzigen Zeitpunkt komplett eingekauft, sondern strategisch zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Nicht nur der Beschaffungszeitpunkt variiert, sondern auch das Beschaffungsmodell können sich unterscheiden. Im Zentrum dieser Beschaffungsart steht Ihr Unternehmen. Der Einkauf wird dem individuellen Lastgang von Ihrem Unternehmen angepasst.

Durch diese Staffelung und Diversifikation wird nicht nur das Risiko eines hohen Festpreises reduziert, sondern auch günstige Beschaffungsarten genutzt. Nach Möglichkeit wird auch der Verbrauch an eine gute Beschaffungsstrategie angepasst. Lesen Sie mehr über die verschiedenen Beschaffungsarten, die Ihnen zur Auswahl stehen.

Festpreis oder strukturierte Beschaffung: Was passt zu welchem Unternehmen?

Welche Beschaffungsstrategie sinnvoll ist, hängt letztendlich von Ihrem Verbrauchsprofil, Ihrem Planungsbedarf und Ihrer Risikotragfähigkeit ab. Diese Übersicht bildet die wichtigsten Unterschiede ab.

Kriterium

Festpreis

Strukturierte Beschaffung

Planungssicherheit

Hohe Budgetsicherheit während der Vertragslaufzeit

Abhängig von der gewählten Absicherungsstrategie

Einkaufszeitpunkt

Die abgesicherte Menge wird zu einem bestimmten Preisniveau eingekauft

Der Einkauf kann auf mehrere Zeitpunkte verteilt werden

Marktchancen nutzen

Niedrigere Marktpreise werden nicht genutzt

Günstige Marktphasen können im Rahmen der Strategie berücksichtigt werden

Verbrauchsprofil

Besonders geeignet bei stabilem, gut planbaren Verbrauch

Besonders geeignet bei analysierbarem oder flexiblem Verbrauch

Aufwand

Geringer laufender Steuerungsaufwand

Höherer Aufwand oder Energiepartner empfehlenswert

Risiko

Ein ungünstiger Einkaufszeitpunkt betrifft die gesamte abgesicherte Menge

Die Strukturierung kann das Risiko verteilen, zu teuren Strom zu kaufen

Ein Festpreis passt eher, wenn …

  1. Ihr Stromverbrauch stabil und gut planbar ist.

  2. Ihnen hohe Budgetsicherheit besonders wichtig ist.

  3. Sie günstige Marktchancen nicht aktiv nutzen möchten.

  4. Sie nur keine flexible Verbraucher oder Speicher einsetzen.

Andere Beschaffungsarten sind interessant, wenn …

  1. Sie Ihren Energiebedarf auf mehrere Einkaufszeitpunkte verteilen möchten.

  2. Sie günstige Marktchancen nutzen und dadurch einen Preisvorteil ermöglichen möchten.

  3. Sie flexible Verbraucher, Speicher oder Eigenerzeugung einbinden können.

  4. Sie Ihren Energiebedarf zuverlässig prognostizieren können.

  5. Sie klare Regeln, Risikogrenzen und Zuständigkeiten festlegen können.

  6. Sie bereit sind, mehr Zeit in Analyse und Beschaffungssteuerung zu investieren.

Für die konkrete Einordnung sollten Unternehmen ihren Verbrauch, ihr Lastprofil, ihre Flexibilität und ihre Risikotragfähigkeit analysieren. Unser 5-Schritte-Guide für den Energieeinkauf bietet Ihnen die Möglichkeit, diese Faktoren systematisch für Ihr Unternehmen zu bewerten.


Welche Daten sollten Sie vor der Wahl des passenden Beschaffungsmodells prüfen?

Für die Wahl der richtigen Beschaffungsart zählt nicht nur der Jahresverbrauch, sondern das Gesamtbild:

  1. Jahresverbrauch und Verbrauchsverlauf
    → Wie viel Strom verbraucht das Unternehmen und wie verteilt sich der Verbrauch über Monate, Wochentage und Tageszeiten?

  2. Lastprofil und Prognosequalität
    → Lastspitzen und Schwankungen zeigen, wie gleichmäßig der Bedarf ist. Prüfen Sie auch, wie zuverlässig sich der Verbrauch vorhersagen lässt.

  3. Planbarkeit des Energiebedarfs
    → Berücksichtigen Sie absehbare Veränderungen, etwa neue Anlagen, Wachstum oder einen Standortwechsel. 

  4. Flexible Verbraucher oder Speicher
    → Prüfen Sie, ob sich Verbräuche praktisch verschieben oder Speicher und steuerbare Anlagen einsetzen lassen.

  5. Gewünschte Vertragslaufzeit
    → Stimmen Sie die Laufzeit auf Ihren Planungshorizont ab: Längere Laufzeiten schaffen mehr Sicherheit, kürzere erhalten mehr Flexibilität.

  6. Budget- und Risikotragfähigkeit
    → Legen Sie fest, welche Kostenabweichungen tragbar sind. Je geringer der Spielraum, desto wichtiger ist eine stärkere Absicherung.

  7. Interne Ressourcen für Steuerung und Monitoring
    → Klären Sie, wer Verbrauch und Beschaffung überwacht, Entscheidungen vorbereitet und freigibt. Fehlen intern Zeit oder Fachwissen, kann ein Energiepartner unterstützen.

Fazit: Ist der Festpreis Tarif die beste Wahl für mein Unternehmen?

Kein Modell und keine Strategie ist per se die beste Wahl. Ein Festpreis schafft Budgetsicherheit, bindet die abgesicherte Menge aber an ein festes Preisniveau. Die strukturierte Beschaffung verteilt Einkaufs Zeitpunkte und kann Marktchancen nutzen, beseitigt Risiken jedoch nicht ganz. Ausschlaggebend sind Verbrauchsprofil, Planbarkeit, Flexibilität, Risikotragfähigkeit und interner Steuerungsaufwand.

  • Ein Festpreis kann passen, wenn ein stabiler Bedarf und hohe Budgetsicherheit im Vordergrund stehen.

  • Strukturierte Beschaffung kommt eher infrage, wenn Einkaufsrisiken verteilt und Marktchancen genutzt werden sollen.

  • Vor der Entscheidung sollten Unternehmen ihre Ausgangslage prüfen und die Kriterien systematisch einordnen.

Die passende Strombeschaffung richtet sich nicht nach dem vermeintlich besten Modell, sondern nach den Zielen und Möglichkeiten Ihres Unternehmens.

Sie möchten herausfinden, welche Strategie am besten zu Ihrem Unternehmen passt?

Wir prüfen gemeinsam Ihr Verbrauchsprofil, Ihren Bedarf an Planungssicherheit und mögliche Flexibilität. Daraus leiten wir eine Beschaffungsstrategie ab, die zu Ihrem Unternehmen passt.


FAQ’S: Häufige Fragen zur Strombeschaffung für Unternehmen 

Was umfasst professionelle Strombeschaffung für Unternehmen?

Professionelle Strombeschaffung nutzt eine zum Unternehmen passende Strategie, um Energiekosten besser zu planen und Preisrisiken zu steuern. Sie kann Risiken verteilen, aber weder den günstigsten Preis noch ein risikofreies Ergebnis garantieren. Entscheidend sind unter anderem Verbrauchsprofil, Planbarkeit und Risikotragfähigkeit.

Welche Beschaffungsmodelle gibt es?

  • Vollversorgung zum Festpreis: Der prognostizierte Bedarf wird für einen vereinbarten Zeitraum zu einem festen Preis je kWh abgesichert. Das erleichtert die Budgetplanung, hängt aber vom Preisniveau beim Vertragsabschluss ab.

  • Tranchenbeschaffung: Der Bedarf wird in Teilmengen aufgeteilt und zu verschiedenen Zeitpunkten eingekauft. Das streut das Einkaufszeitpunktrisiko, garantiert aber keinen niedrigeren Preis.

  • Spotmarktbeschaffung: Strom wird kurzfristig zu aktuellen Börsenpreisen beschafft. Niedrige oder negative Preise bieten Chancen, steigende Preise aber auch ein höheres Kostenrisiko.

  • Power Purchase Agreement (PPA): Ein Vertrag über Strommengen aus erneuerbarer Erzeugung, etwa Wind- oder Solarenergie. Preis, Menge, Laufzeit und Erzeugungsprofil müssen zum Bedarf passen; ein PPA ist nicht automatisch günstiger.

  • Portfoliomanagement: Verschiedene Beschaffungsbausteine, etwa Terminmarkt, PPA und Spotmarkt, werden nach einer gemeinsamen Strategie kombiniert.

Wie viel kostet Strom für Unternehmen?

Einen einheitlichen Preis gibt es nicht. Die Kosten hängen unter anderem vom Jahresverbrauch, Lastprofil, Lieferzeitraum, Netzgebiet und dem gewählten Beschaffungsmodell ab. Für einen belastbaren Vergleich sollten Unternehmen Angebote mit denselben Annahmen vergleichen, insbesondere zur Liefermenge und zu den enthaltenen Preisbestandteilen.


Quellen: 

  1. Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) (2026) ‘Erneuerbare Energien 2025 in Zahlen’. Energiewende direkt erfasst, März 2026. Verfügbar unter: https://energiewende.bundeswirtschaftsministerium.de/EWD/Redaktion/Newsletter/2026/03/Meldung/direkt-erfasst.html

  2. Bundesrepublik Deutschland (2023) ‘Gesetz für den Ausbau erneuerbarer Energien (Erneuerbare-Energien-Gesetz – EEG 2023), § 1 Ziel des Gesetzes’. Gesetze im Internet. Verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/eeg_2014/_1.html (Zugriff: 29. September 2026).

  3. FFE (2023) ‘Deutsche Strompreise an der Börse EPEX Spot im Jahr 2022’. Forschungsstelle für Energiewirtschaft e. V. Verfügbar unter: https://www.ffe.de/veroeffentlichungen/deutsche-strompreise-an-der-boerse-epex-spot-im-jahr-2022/ (Zugriff: 29. September 2026).


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