Stromeinkauf
Energiebeschaffung 2026: So nutzt der Mittelstand neue Marktchancen für niedrige Strompreise

Written by:
Linda Elberskirch

Wer mit Entscheidern im Mittelstand über Energie spricht, hört oft denselben Wunsch: „Wir brauchen einfach einen guten Festpreis.“ Das klingt erstmal vernünftig – schließlich geht es um Planbarkeit. Nur haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert:
Energiepreise sind volatiler und unsicherer geworden, was eine optimale Energiebeschaffung komplexer macht.
Ein Festpreis kann zwar Ruhe geben, ist aber häufig nicht die wirtschaftlich beste Lösung – und kann sich als „teurer Komfort“ erweisen, weil Risikoaufschläge eingepreist werden und Marktchancen ungenutzt bleiben. Wer 2026 also gut aufgestellt sein will, muss verstehen, wie der neue Marktmechanismus funktioniert und wo er echte Hebel bietet.
Für viele Mittelständler wird dabei entscheidend, Beschaffung, Verbrauch und Flexibilität operativ zusammenzubringen – oft gemeinsam mit spezialisierten Partnern wie trawa.
Der Markt hat sich in den letzten 10 Jahren strukturell verändert und wird volatil bleiben
Ein Blick auf die vergangenen 10 Jahre zeigt, wie sich der Energiemarkt verändert hat:
Der durchschnittliche Strompreis für Neuabschlüsse bei kleinen bis mittleren Industriebetrieben (Jahresverbrauch 0,16 bis 20 GWh) hat sich seit 2016 stark bewegt: Während er 2020 bei 17,7 ct/kWh lag, stieg er in der Krise 2022 auf über 43 ct/kWh. Seitdem ist er wieder deutlich gefallen und lag im Januar 2026 laut BDEW‑Strompreisanalyse bei rund 16 ct/kWh. [1]
Dieser Blick auf die Entwicklung des Preisniveaus wirkt sehr vielversprechend, sollte jedoch nicht als alleiniger Entscheidungsfaktor herangezogen werden. Entscheidend ist heute insbesondere die Dynamik des Marktes.
Volatilität: Preisunterschiede schwanken im Stundentakt
Mit dem stark gewachsenen Anteil wetterabhängiger Erzeugung schwanken die Preisunterschiede im Stundentakt. 2025 lag der Anteil der erneuerbaren Energien an der öffentlichen Nettostromerzeugung in Deutschland bei rund 56 % und soll weiter steigen. [3]
An sonnen- und windreichen Tagen kommt viel Strom mit sehr niedrigen Grenzkosten auf den Markt, weil die Erzeugung von Grünstrom besonders günstig ist – dadurch fallen die Day-Ahead-Preise (Preise am Vortagesmarkt) häufig deutlich, teils bis in den negativen Bereich. Entsprechend stieg die Zahl der Stunden mit negativen Strompreisen 2025 auf rund 575 Stunden (gegenüber 298 Stunden im Jahr 2020). [2]
Umgekehrt entstehen bei geringer EE-Einspeisung (z. B. in Dunkelflauten, Link zu anderem Blogpost) Knappheitssituationen, in denen flexible konventionelle Stromerzeugung (z. B. aus Kohle und Gas) und Importe den Bedarf decken müssen – was die Preise nach oben treibt.
Das zeigt sich auch am gestiegenen mittleren täglichen Preisspread im Day-Ahead-Markt (2025: rund 130 €/MWh vs. 2020: rund 33 €/MWh). [2]
Warum Strompreise heute so stark schwanken: Mehr Erneuerbare verändern die Merit-Order
Der Börsenpreis entsteht nach dem Merit-Order-Prinzip und wird stündlich nach diesem einfachen Prinzip gebildet: Das teuerste Kraftwerk, das in dieser Stunde benötigt wird, setzt den Preis fest.
In Stunden mit wenig verfügbaren erneuerbaren Energien sind das häufig Gas- oder Kohlekraftwerke. In Stunden mit viel Wind und Sonne werden diese teureren Kraftwerke nicht benötigt und aus der Einsatzreihenfolge gedrängt. Der Preis wird dann von den günstigeren Erzeugern bestimmt und kann sehr niedrig oder sogar negativ werden.

Grafik zur Demonstration des Merit-Order-Prinzips [4]
Erkenntnis für den Mittelstand: Fixpreis reicht nicht mehr
Diese strukturelle Veränderung wird in 2026 und darüber hinaus bleiben. Für den Mittelstand heißt das: Energie wird weniger über „einen guten Fixpreis“ kostengünstig, sondern über flexible Tarife und aktives Management.
Wer Beschaffung und Verbrauch so aufstellt, dass man auf kurzfristige Preissignale reagieren kann, nutzt günstige Zeitfenster systematisch und reduziert die Exponierung gegenüber teuren Stunden – statt Volatilität ausschließlich über Risikoaufschläge im Fixpreis zu bezahlen.
Dafür braucht es vor allem Transparenz über Last und Preise sowie die Fähigkeit, Beschaffung und Vorgehensweise im Alltag nachzusteuern – z. B. mit der Energiemanagement-Plattform von trawa, um die veränderten Marktbedingungen zu nutzen und 30 % Kosten zu sparen.
1) Weg vom Festpreis hin zu strukturierter Beschaffung: So profitieren Sie von systematischer Risikostreuung
Festpreis: Einfach, aber oft nicht flexibel genug
Ein Großteil der Mittelständler beschafft seine Energie schon seit Jahren über Festpreise. Das heißt, dass sie den Strom für die volle Vertragslaufzeit zu dem Preis beziehen, der zum Beschaffungszeitpunkt aktuell ist.
Energiepreise sind jedoch insbesondere langfristig nur schwer vorhersehbar und Unternehmen können auf diese Weise nicht von künftigen sinkenden Energiepreisen profitieren.
Warum Festpreise häufig über dem Marktniveau liegen
Damit sich dieses Modell auch für die Versorger lohnt, preisen diese zusätzlich ihr Risiko für steigende Energiepreise mit ein, weshalb der Preis meist über dem tatsächlichen Marktniveau liegt – ähnlich wie bei einer Versicherungsprämie.
Als Beispiel: Bei einem dreijährigen Vollversorgungsvertrag mit Festpreis liegt der Preis häufig etwa 10 % bis 20 % über dem einer strukturierten Beschaffung – abhängig vom Lastprofil und Volumen. [7]
Strukturierte Beschaffung: Kombination aus Sicherheit und Flexibilität
Eine geeignetere Methode ist die Kombination aus festen und variablen Beschaffungsanteilen für ein Optimum aus Preissicherheit und Flexibilität.
Im sogenannten strukturierten Portfoliomodell wird der Stromeinkauf nicht einmalig, sondern gestaffelt eingekauft: zu verschiedenen Zeitpunkten und über unterschiedliche Produkte und Laufzeiten.
So funktioniert das Portfoliomodell in der Praxis
Durch den gestaffelten Einkauf entsteht eine Mischung aus langfristiger Absicherung und der Nutzung kurzfristiger Marktchancen. Diese Balance wird durch die zeitliche Staffelung der Einkäufe und die gezielte Überdeckung, etwa mit Direktbezug aus Wind- und Solarpark (Power Purchase Agreements, PPA) erreicht.
Unternehmen können ihre Einkaufsstrategie in diesem Beschaffungsmodell aktiv an die Marktentwicklung anpassen: In Phasen niedriger Preise werden größere Mengen langfristig gebunden, während in Hochpreisphasen bewusst weniger langfristig abgesichert und mehr kurzfristig eingekauft wird.
Der Strom wird also nicht zu einem Stichtag, sondern in mehreren Teilmengen zu unterschiedlichen Zeitpunkten beschafft – vergleichbar mit einem ETF-Sparplan für Strom.
Vorteile: Was Unternehmen konkret gewinnen
Dadurch können Unternehmen:
Timing-Risiko reduzieren: Vermeiden, dass ein einzelner ungünstiger Marktzeitpunkt den gesamten Preis bestimmt durch Preisglättung
Preise glätten: Mehrere Kaufzeitpunkte führen typischerweise zu einem stabileren Durchschnittspreis.
Besser steuern: Wenn sich Markt und Prognosen ändern, kann der Kauf der nächsten Anteile flexibel angepasst werden.
Umsetzung: Portfoliomanagement ohne eigenes Energieteam
Das Portfoliomanagement ist die komplexeste und flexibelste Form der Strombeschaffung. Durch einen strukturierten Portfolioeinkauf können die Vorteile des Terminmarkts, des Spotmarkts und von PPAs miteinander verbunden werden.
In der Praxis wird ein strukturiertes Portfolio häufig über spezialisierte Dienstleister wie trawa umgesetzt, die die Strukturierung, Risikologik und Transparenz über Produkte und Zeitpunkte zusammenführen – ohne dass Unternehmen ein eigenes Energieteam aufbauen müssen.
Für welche Unternehmen lohnt sich die strukturierte Beschaffung?
Grundsätzlich lohnt sich diese für Unternehmen mit einem Jahresverbrauch ab circa 2 GWh aufwärts. Darunter sind die Transaktionskosten häufig zu hoch im Verhältnis zum Einsparpotenzial. Aber auch kleinere Betriebe können über Einkaufsgemeinschaften oder spezialisierte Dienstleister Zugang zu strukturierten Modellen bekommen.
Vereinfachte Beispielrechnung für ein Industrieunternehmen
Ein Industrieunternehmen mit 5 GWh Jahresverbrauch und einem Festpreis von 12 ct/kWh zahlt 600.000 Euro pro Jahr für Strom.
Bei einer strukturierten Beschaffung mit 70 Prozent Terminmarkt und 30 Prozent Spotanteil hätte dasselbe Unternehmen im Zeitraum 2023 bis 2025 im Schnitt zwischen 5 und 12 Prozent weniger gezahlt, je nach Timing der Eindeckung. [8]
Bei 600.000 Euro Basiskosten entspricht das einer Ersparnis von 30.000 bis 72.000 Euro pro Jahr.
2) Mit zusätzlicher Flexibilität durch Batteriespeicher Kosten sparen
Flexibilität wird zum wirtschaftlichen Hebel
Volatilität ist kein Randphänomen mehr – sie ist der neue Normalzustand. Und genau deshalb wird Flexibilität 2026 für viele Mittelständler zu einem echten wirtschaftlichen Hebel.
Batteriespeicher: Lastprofile optimieren und Kosten senken
Moderne Batteriespeicher lassen sich flexibel in bestehende Energiesysteme integrieren und tragen dazu bei, Lastprofile gezielt zu optimieren:
Verschiebung des Strombezugs: Batteriespeicher ermöglichen den gezielten Strombezug in Niedrigpreisphasen und die Nutzung gespeicherter Energie in Hochpreiszeiten – ein direkter wirtschaftlicher Vorteil angesichts volatiler Börsenpreise.
Lastspitzenkappung: Durch gezielte Entladung des Speichers in Lastspitzenzeiten können teure Leistungspreise bei den Netzentgelten vermieden werden.
Eigenverbrauchsoptimierung: Überschüssiger Solarstrom wird lokal gespeichert und zeitversetzt verbraucht. Für Unternehmen bedeutet das: Es lohnt sich zunehmend, den selbst erzeugten Solarstrom direkt zu nutzen, anstatt ihn ins Netz einzuspeisen – denn der wirtschaftliche Vorteil ist beim Eigenverbrauch am höchsten.
Handel am Strommarkt: Über die reine Eigenoptimierung hinaus bieten Batteriespeicher Zugang zu zusätzlichen Erlösquellen – etwa durch die Teilnahme am kurzfristigen Stromhandel (Intraday-Markt). Unternehmen können überschüssige Speicherkapazitäten gezielt vermarkten, indem sie Strom zu günstigen Zeiten einkaufen, zwischenlagern und zu besseren Preisen wieder abgeben. Diese Marktintegration erschließt neue Einnahmemöglichkeiten und macht Energie zu einem aktiven Werttreiber.
Warum Batteriespeicher wirtschaftlich attraktiver geworden sind
Die Investitionskosten für Batteriespeicher haben sich in den letzten Jahren deutlich reduziert und liegen inzwischen auf einem stabil niedrigen Niveau. Technologische Fortschritte, wachsende Produktionsmengen und Skaleneffekte aus der Elektromobilitätsbranche haben diesen Rückgang ermöglicht.
Dadurch sind Speicherlösungen heute auch für mittelständische Unternehmen wirtschaftlich attraktiv.
Praxisbeispiel für Betriebe mit Kälteflexibilität (z. B. Kühllager, Prozesskälte)
Ein mittelständischer Lebensmittelproduzent mit großen Kühllagern hat 2024 die Zusammenarbeit mit trawa begonnen, seine Kühlsysteme in Stunden mit negativen Strompreisen vorzukühlen und die Kühlung in teuren Stunden zu drosseln.
Die Produktqualität blieb dadurch unverändert, aber die Stromkosten sanken um 8%. Kein Wunderwerk, keine Millionen-Investition, sondern eine intelligente Steuerung auf Basis von Marktdaten.

Schematische Lastenverteilung eines Unternehmen mit Kälteflexibilität [4]
3) Datenbasierte Entscheidungen statt Bauchgefühl im Energiemanagement
Je volatiler der Markt, desto wichtiger wird eine klare Entscheidungslogik. Was in stabileren Zeiten oft ausgereicht hat – Angebote vergleichen, einen Preis fixieren und das Thema für die Laufzeit abhaken – liefert 2026 nicht automatisch gute Ergebnisse.
Denn bei stärkeren Schwankungen entscheidet nicht nur, ob man einkauft, sondern auch wie und wann. Unternehmen, die ihre Beschaffung datenbasiert aufsetzen, gewinnen damit vor allem eines: robustere Entscheidungen.
Eine datenbasierte Beschaffung bedeutet dabei vor allem drei Dinge:
Szenarien nutzen. Nicht als Vorhersage, sondern als strukturierte „Was-wäre-wenn“-Rechnung: Was passiert bei mildem Winter? Was bei schnellerem Erneuerbaren-Energien-Ausbau? Wer mehrere plausible Szenarien durchrechnet, versteht sein Risikoprofil besser und kann Beschaffungsentscheidungen gezielt ausrichten.
Kontinuierliche Marktbeobachtung als Prozess etablieren. Strukturierte Beschaffung ist keine einmalige Preisentscheidung, sondern ein laufendes Zusammenspiel aus Marktentwicklung, regulatorischen Rahmenbedingungen und dem eigenen Verbrauch. Regelmäßige Updates helfen, die nächsten Absicherungen sinnvoll zu timen und Anpassungen begründet vorzunehmen.
Werkzeuge jenseits von Excel einsetzen. Excel ist für vieles ideal. Sobald jedoch mehrere Produkte, Einkaufszeitpunkte und Risikokennzahlen zusammenkommen, steigen Aufwand und Fehleranfälligkeit. Energiemanagement-Plattformen – wie die von trawa – bilden Portfoliologik, Transparenz und Reporting ab und machen diese Komplexität für mittelständische Unternehmen beherrschbar, ohne ein eigenes Trading-Setup aufzubauen.
Fazit: Energiemanagement muss 2026 strategisch angegangen werden
Der Markt bleibt anspruchsvoll – und genau darin liegt die Chance
Der Strommarkt bleibt auf absehbare Zeit anspruchsvoll: Volatilität ist zur neuen Normalität geworden, und die Komplexität im Energiemanagement nimmt weiter zu. Unternehmen können diese Entwicklung nicht aussitzen – aber sie können entscheiden, professionell darauf zu reagieren.
Neue Möglichkeiten für den Mittelstand
Die gute Nachricht: Was früher nur großen Konzernen möglich war, ist heute auch für den Mittelstand zugänglich. Strukturierte Beschaffung, Flexibilität (z. B. steuerbare Lasten und Speicher) und datenbasiertes Energiemanagement werden heute durch bessere Tools und sinkende Technologiekosten praktikabel.
Wer diese Mechanismen nutzt, optimiert nicht nur den Preis, sondern erhöht vor allem die Robustheit der Risikosteuerung bei den Energiekosten.
trawa als Partner für die Umsetzung
trawa unterstützt dabei als Umsetzungspartner: Als Partner, der strukturierte Beschaffung, Flexibilitätsvermarktung und Energiemanagement in einer Lösung bündelt und damit die Komplexität des Marktes beherrschbar und als wirtschaftlichen Erfolgsfaktor nutzbar macht.
Nächster Schritt: Kurzcheck Ihrer Ausgangslage und Einsparpotenziale
Gerne unterstützen wir Sie dabei, den passenden Ansatz für Ihr Unternehmen abzuleiten – z. B. mit einem kurzen Check Ihres Lastprofils und Ihrer aktuellen Beschaffung: Welche Struktur passt zu Ihrem Lastprofil, welche Absicherung ist sinnvoll und wo liegen konkrete Potenziale (Lasten, Speicher, Prozesse)?
Vereinbaren Sie gerne hier einen Termin für ein unverbindliches Gespräch mit unseren Experten.
Denn die Gewinner der nächsten Jahre werden die Unternehmen sein, die Energiebeschaffung nicht als jährliche Pflichtübung verstehen, sondern als strategische Funktion – mit klaren Prozessen, belastbaren Daten und aktiver Steuerung.
Quellen:
[1].https://www.bdew.de/service/daten-und-grafiken/bdew-strompreisanalyse/
[2] EPEX Spot SE, Marktdaten Intraday-Auktionen Deutschland/Luxemburg, 2022 bis 2025. Eigene Auswertung der Preisspannen. https://www.ffe.de/veroeffentlichungen/deutsche-strompreise-an-der-boerse-epex-spot-im-jahr-2025/
[4] trawa
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