Electricity purchasing

Portfoliomodell im Energieeinkauf: Die fünf größten Mythen im Faktencheck

Das Portfoliomodell im Energieeinkauf gilt vielen Unternehmen als komplex, riskant und aufwendig. Doch stimmt das wirklich? In diesem Faktencheck prüfen wir die fünf größten Mythen rund um Festpreis, Terminmarkt, Spotmarkt und PPAs und zeigen, wie Unternehmen ihre Strombeschaffung planbar, flexibel und kontrollierbar gestalten können.

Das Portfoliomodell im Energieeinkauf gilt vielen Unternehmen als komplex, riskant und aufwendig. Doch stimmt das wirklich? In diesem Faktencheck prüfen wir die fünf größten Mythen rund um Festpreis, Terminmarkt, Spotmarkt und PPAs und zeigen, wie Unternehmen ihre Strombeschaffung planbar, flexibel und kontrollierbar gestalten können.

Written by:

Anne Fischer

Hochspannungsanlage und Stromleitungen als Teil der industriellen Energieversorgung.

Unternehmen können ihren Energiebedarf über verschiedene Beschaffungsmodelle decken. Beim weit verbreiteten Festpreismodell sichern sie ihren erwarteten Strombedarf zu einem festen Preis und meist zu einem einzigen Zeitpunkt ab. Alternativ lässt sich der Einkauf schrittweise gestalten, etwa über Tranchenkäufe zu unterschiedlichen Zeitpunkten oder über den Spotmarkt. [11]

Eine Kombination verschiedener Beschaffungsinstrumente wird als Portfoliomodell bezeichnet. Obwohl große Energieeinkäufer dieses Modell seit vielen Jahren erfolgreich einsetzen, wird es häufig mit Spekulation, Kontrollverlust und hohem organisatorischem Aufwand verbunden. [1][3][8][9][10][13][14]

Dieser Beitrag prüft die fünf größten Mythen und zeigt, warum Portfoliobeschaffung mit klaren Regeln planbar und kontrollierbar bleibt.

Dieser Beitrag beantwortet Ihnen folgende Fragen:

  • Wie läuft die Strombeschaffung nach dem Portfoliomodell ab?

  • Worin unterscheidet sich das Portfoliomodell von einem Festpreis?

  • Welche Chancen und Risiken bietet das Portfoliomodell?

  • Welche typischen Missverständnisse gibt es über das Portfoliomodell?

  • Für welche Unternehmen ist das Portfoliomodell die richtige Beschaffungsstrategie?

Was ist das Portfoliomodell im Energieeinkauf?

Das Portfoliomodell ist eine Strombeschaffungsstrategie, bei der Unternehmen ihren Strombedarf nicht auf einen Schlag, sondern über einen Mix verschiedener Beschaffungsinstrumente und Zeitpunkte decken. [1][3][8][9][10][13][14]

Statt sich mit einem einzigen Preis für die gesamte Liefermenge festzulegen, wird der Bedarf gestaffelt eingekauft. Das funktioniert ähnlich wie bei einem Investment-Portfolio, bei dem Risiken durch Diversifikation gesteuert werden, statt alles auf eine Karte zu setzen. [1][3][8][9][10][13][14]

Ziel des Portfoliomodells ist es, das Risiko eines ungünstigen Einkaufszeitpunkts zu verringern, einen ausgewogeneren Durchschnittspreis zu erzielen und die Energiekosten innerhalb eines klar definierten Risikorahmens planbar zu steuern. [1][3][8][9][10][13][14]

Woraus setzt sich ein Portfolio nach dem Portfoliomodell zusammen?

Ein Portfolio nach dem Portfoliomodell kombiniert in der Regel drei Bausteine:

  • Terminmarkt (Kern): Ein Markt, an dem Strom für die Lieferung in der Zukunft gehandelt wird. Preis und Menge werden heute vereinbart, geliefert wird erst später. Der planbare Teil des Bedarfs wird hier schrittweise in Tranchen abgesichert, wodurch sich das Risiko auf mehrere Einkaufszeitpunkte verteilt. [5][12]

  • Spotmarkt (begrenzt): Der kurzfristige Strommarkt, an dem Strom für den nächsten Tag oder die nächste Stunde zum aktuellen Preis gehandelt wird. Ein vorab festgelegter Anteil des Bedarfs bleibt bewusst offen und wird hier gedeckt. Das gleicht Abweichungen zwischen Prognose und Verbrauch aus und nutzt kurzfristig günstige Preise. [5][12]

  • Power Purchase Agreement (PPA, optional): Ein langfristiger Liefervertrag direkt mit einem Erzeuger, meist einer Anlage für erneuerbare Energien. Ein Teil des Bedarfs wird so über mehrere Jahre zu festen Konditionen gesichert und gleichzeitig mit sauberem Strom gedeckt. [7]

Wie groß der Anteil jedes Bausteins ist, legt jedes Unternehmen individuell fest, abgestimmt auf Risikobereitschaft, Preiserwartungen und eigene Ziele, etwa beim Thema Nachhaltigkeit. [1][3][8][9][10][13][14]

Erst die Kombination aus diesen Bausteinen ergibt das Portfolio, eine einzelne Tranche allein ist noch kein Portfolio. [1][3][8][9][10][13][14]


Offshore- und Onshore-Windpark zur Erzeugung erneuerbarer Energie für die Stromversorgung.

Warum ist der Mix beim Portfoliomodell entscheidend?

Der Mix ist maßgeblich, weil jeder Baustein eigene Chancen und Risiken mitbringt. Erst das Zusammenspiel der gewählten Bausteine gleicht diese Chancen und Risiken so aus, dass am Ende eine Strombeschaffungsstrategie mit attraktiven Konditionen steht. [1][3][8][9][10][13][14]

Jeder Baustein im Portfoliomodell eröffnet dabei eigene Chancen: 

  • Der Terminmarkt schafft Planungssicherheit durch frühzeitig fixierte Preise. [5][12]

  • Der Spotmarkt ermöglicht es, gezielt von günstigen oder negativen Preisphasen zu profitieren. [5][12]

  • Ein optionales PPA sichert langfristig stabile Konditionen, unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen. [7]

Wer zu stark auf einen einzelnen Baustein setzt, holt sich dessen spezifisches Risiko ungefiltert ins Portfolio: Zu viel Terminmarkt macht unflexibel gegenüber Verbrauchsschwankungen, zu viel Spotmarkt erhöht die Preisunsicherheit. Nutzt ein Unternehmen zusätzlich optional ein PPA, gilt: Ein zu hoher PPA-Anteil bindet Kapital langfristig und schränkt die Anpassungsfähigkeit ein. [5][7][12]

Die Gewichtung der Bausteine ist deshalb der eigentliche Kern des Portfoliomanagements. Sie wird individuell auf Risikobereitschaft, Preiserwartungen und strategische Ziele des Unternehmens abgestimmt und in der Regel laufend überwacht und angepasst. [1][3][8][9][10][13][14]

Warum entstehen Mythen rund um das Portfoliomodell?

Mythen rund um das Portfoliomodell entstehen vor allem deshalb, weil es vergleichsweise viele Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Mehrere Einkaufszeitpunkte, unterschiedliche Marktsegmente und schwankende Preise wirken auf den ersten Blick komplex und werden deshalb häufig mit zusätzlichem Risiko verbunden.

Diese Wahrnehmung ist nachvollziehbar. Tatsächlich sind die zusätzlichen Freiheitsgrade im Portfoliomodell jedoch nicht unkontrolliert, sondern werden durch klare Regeln und definierte Prozesse gesteuert. [1][3][8][9][10][13][14]

Was Energieeinkäufer großer Industrieunternehmen längst über das Portfoliomodell wissen

Große Energieeinkäufer wie Industrieunternehmen sind sich schon lange über den zentralen Vorteil des Portfoliomodells im Klaren: Eine Streuung des Strombedarfs über mehrere Instrumente und Zeitpunkte senkt das Preisrisiko spürbar gegenüber einer Beschaffung zu einem einzigen Stichtag. Für sie ist das Portfoliomodell deshalb kein neues Konzept, sondern seit Jahren gelebte Praxis. [1][3][8][9][10][13][14]

Was die Energiekrise 2022 über das Portfoliomodell gezeigt hat

Wie wertvoll dieser Ansatz sein kann, zeigte sich auch in der Energiekrise 2022, die im Zuge des Kriegs in der Ukraine entstand. Unternehmen mit dem Portfoliomodell als Strombeschaffungsstrategie konnten Phasen sehr hoher Preise teilweise aussitzen, da sie ihren Energieeinkauf auf mehrere Instrumente und Zeitpunkte der Beschaffung verteilt haben. [6][16]

Portfoliobeschaffung ist nicht mehr nur großen Unternehmen vorbehalten

Lange war das Portfoliomodell eine Art der Beschaffung, die vor allem großen Unternehmen mit eigenen Energieeinkaufsteams vorbehalten war. Heute ist es dank spezialisierter Partner wie trawa auch für kleine und mittelständische Unternehmen zugänglich.

Mit trawa steht Unternehmen ein Partner zur Seite, der den operativen Energieeinkauf übernimmt und Zugang zum Portfoliomodell ermöglicht, ohne dafür eigene Strukturen für den Energieeinkauf aufbauen zu müssen.

Trotzdem halten sich rund um das Portfoliomodell fünf Mythen hartnäckig. Zeit für einen Faktencheck: Was steckt wirklich dahinter?

Mythos 1: „Das Portfoliomodell ist Spekulation"

Es hält sich hartnäckig die Annahme, dass das Portfoliomodell auf Spekulation beruht, weil der Strombedarf nicht sofort vollständig zu einem festen Preis eingekauft wird, sondern schrittweise über einen festgelegten Zeitraum. Das erweckt den Eindruck, dass Einkäufer gezielt auf günstigere Preise warten und auf die Marktentwicklung wetten.

Vorweg: Dieser Mythos stimmt nicht. Das Portfoliomodell dient der Absicherung, nicht der Spekulation. [1][3][8][9][10][13][14]

Strombeschaffung mit dem Portfoliomodell: Klare Regeln statt spekulativer Entscheidungen

Das Portfoliomodell reagiert nicht auf einzelne Markteinschätzungen, sondern folgt einem festen Fahrplan mit definiertem Spielraum. Das gilt für alle drei Bausteine des Portfolios: Ob am Terminmarkt, am Spotmarkt oder über einen PPA, in jedem Fall steht eine konkrete vorab definierte Bedarfsmenge dahinter, nicht die Aussicht auf einen Handelsgewinn. [1][3][8][9][10][13][14]

Genau das unterscheidet es von Spekulation:

  • Portfoliomodell: Einkaufszeitpunkte und -mengen werden bereits vorab nach festen Regeln festgelegt, lange bevor klar ist, wie sich die Preise tatsächlich entwickeln. [1][3][8][9][10][13][14]

  • Spekulation: Die Einkaufsentscheidung fällt im Moment, weil gerade jetzt ein günstiger Zeitpunkt vermutet wird. [8][9]

Zwar wird auch beim Portfoliomodell nachjustiert, etwa wenn sich der Bedarf ändert oder sich innerhalb einer vorab festgelegten Bandbreite eine günstige Gelegenheit ergibt. Entscheidend ist aber, dass auch solche Anpassungen innerhalb klar definierter Regeln und Risikolimits erfolgen, nicht aus einer spontanen Markteinschätzung heraus. [1][3][8][9][10][13][14]

Strategisch Strom beschaffen mit dem Portfoliomodell

Wer Terminmarktprodukte, Spotmarkt und PPAs im Rahmen des Portfoliomodells für einen konkreten Strombedarf und innerhalb klarer Risikolimits einsetzt, spekuliert nicht, sondern sichert ab. Bei der Bewertung einer Strombeschaffungsstrategie zählt deshalb weniger, welche Produkte zum Einsatz kommen, als ob vorab feste Regeln definiert wurden. [1][3][8][9][10][13][14]

Diese Unterscheidung ist auch für die interne Kommunikation relevant, etwa gegenüber Geschäftsführung oder Controlling: Ein regelbasiertes Portfoliomodell lässt sich klar von spekulativem Handeln abgrenzen und entsprechend rechtfertigen, sofern die Regeln dokumentiert und nachvollziehbar sind. [1][3][8][9][10][13][14]


Zwei Personen besprechen einen Vertrag zur Strombeschaffung für ein Industrieunternehmen.

Mythos 2: „Ein Festpreis ist immer die sicherere Wahl"

Ein Festpreis gilt häufig als die sicherste Form der Strombeschaffung, weil der einmal festgelegte Preis über die gesamte Vertragslaufzeit stabil bleibt.

Dieser Eindruck täuscht: Ein Festpreis bietet zwar hohe Budgetsicherheit, ist aber nicht automatisch die risikoärmste oder günstigste Lösung. [8][9][11]

Was beim Portfoliomodell wirklich stimmt: Streuung statt Stichtagsrisiko

Das Portfoliomodell verteilt den Einkauf bewusst auf mehrere Zeitpunkte und reduziert dadurch genau das Risiko, das beim Festpreis in voller Höhe bestehen bleibt: die Abhängigkeit von einem einzigen Einkaufstag. Durch den gestaffelten Einkauf entsteht ein Durchschnittspreis aus mehreren Einkaufszeitpunkten. [1][3][8][9][10][13][14]

Ein ungünstiger Marktpreis wirkt sich dadurch nur auf einen Teil der Beschaffung aus. Bei fallenden Preisen können außerdem Marktchancen genutzt und offene Mengen günstiger nachbeschafft werden. [1][3][8][9][10][13][14]

Welche Auswirkungen ein ungünstiger Marktpreis beim Festpreis haben kann

Beim Festpreis bestimmt dagegen allein das Marktpreisniveau am Tag des Vertragsabschlusses die Kosten für die gesamte Liefermenge. Ist Strom an diesem Tag teuer, fällt auch der Festpreis entsprechend hoch aus. [8][9][11]

Hinzu kommt: Mit einem Festpreis übernimmt der Versorger bestimmte Preis- und Mengenrisiken, etwa dass der tatsächliche Verbrauch von der prognostizierten Menge abweicht. Diese Risiken kalkuliert er über entsprechende Aufschläge ein, die in den Festpreis einfließen. [13]

Das Beispiel verdeutlicht den Vorteil der zeitlichen Streuung: 

  • Festpreis: 1 GWh zu 120 Euro pro MWh kostet insgesamt 120.000 Euro.

  • Portfoliomodell: Je 0,25 GWh zu 90, 100, 110 und 130 Euro pro MWh ergeben einen Durchschnittspreis von 107,50 Euro pro MWh und Gesamtkosten von 107.500 Euro.

Steigen die Strompreise über einen längeren Zeitraum kontinuierlich, kann ein frühzeitig vereinbarter Festpreis im Nachhinein zwar theoretisch die günstigere Lösung sein. Grundsätzlich reduziert die Beschaffung in mehreren Strommengen jedoch das Risiko, den gesamten Strombedarf zu einem ungünstigen Zeitpunkt einzukaufen. [8][9][11]

Festpreis oder Portfoliomodell: Welche Strombeschaffungsstrategie passt?

Im Kern läuft die Entscheidung zwischen Portfoliomodell und Festpreis auf eine Frage hinaus: Wie viel Gewicht soll auf einem einzigen Einkaufszeitpunkt liegen?

Beim Portfoliomodell verteilt sich das Risiko auf mehrere Zeitpunkte. Beim Festpreis hängt dagegen der gesamte Bedarf von einem einzigen Zeitpunkt ab, der sich im Nachhinein als günstig erweisen kann, aber ebenso als sehr ungünstig. [1][3][8][9][10][13][14]

Unternehmen sollten diese Abwägung bewusst treffen, statt sich allein von der Sicherheit eines Festpreises leiten zu lassen.

Mythos 3: „Mehr Flexibilität bedeutet automatisch mehr Risiko"

Mehrere Einkaufszeitpunkte und unterschiedliche Beschaffungswege lassen das Portfoliomodell auf viele Unternehmen zunächst komplexer und damit auch riskanter erscheinen als ein Festpreiseinkauf, bei dem der gesamte Strombedarf auf einmal beschafft wird.

Diese Annahme greift zu kurz: Im Portfoliomodell wird Flexibilität erst zum Risiko, wenn sie nicht durch klare Regeln begrenzt ist. Riskant wird es dann, wenn Einkaufsentscheidungen spontan, nach Bauchgefühl oder als Reaktion auf kurzfristige Preisbewegungen getroffen werden, unabhängig vom gewählten Beschaffungsmodell. [1][3][8][9][10][13][14]

Portfoliomodell als Strombeschaffungsstrategie: Flexibilität gezielt steuern

Unternehmen sollten Flexibilität im Energieeinkauf nicht grundsätzlich mit einem höheren Risiko gleichsetzen. Entscheidend ist, ob die Flexibilität im Portfoliomodell durch klare Regeln, Zuständigkeiten und Risikolimits gesteuert wird. [1][3][8][9][10][13][14]

Bereits vor dem ersten Einkauf wird festgelegt, welche Mengen in welchen Zeiträumen beschafft werden, wie hoch der Absicherungsgrad zu bestimmten Zeitpunkten sein muss und welches Preisrisiko zulässig ist. [1][3][8][9][10][13][14]

Ein strukturiertes Portfoliomodell kann dadurch zu einem verlässlichen Instrument des Risikomanagements werden. Es ermöglicht Unternehmen, auf Veränderungen bei Strompreisen und Verbrauchsdaten zu reagieren, ohne Beschaffungsentscheidungen dem Bauchgefühl zu überlassen. [1][3][8][9][10][13][14]

Diese Strukturierung schließt die Entscheidung ein, welcher Anteil des Bedarfs über den Terminmarkt abgesichert, dem Spotmarkt überlassen oder langfristig über ein PPA gedeckt wird. Terminmarkt, Spotmarkt und PPA sind damit keine drei separaten Komponenten, sondern folgen einem gemeinsamen Plan. [1][3][8][9][10][13][14]

Portfoliomodell: Diese Steuerungsmechanismen begrenzen das Risiko teurer Energiekosten

Bei der Auswahl eines Anbieters oder Partners lohnt es sich daher, gezielt nach den eingesetzten Steuerungsmechanismen zu fragen. Dazu gehören::

  • Tranchen: Aufteilung des erwarteten Strombedarfs in mehrere Teilmengen. Dadurch hängt nicht die gesamte Beschaffung von einer einzigen Entscheidung ab. [2]

  • Zeitkorridore: Festlegung der Zeiträume, innerhalb derer einzelne Strommengen beschafft werden dürfen. So werden Entscheidungen weder überhastet noch unbegrenzt aufgeschoben. [2]

  • Mindestabsicherungen: Vorgabe, welcher Anteil des erwarteten Bedarfs zu bestimmten Zeitpunkten bereits preislich gesichert sein muss. [2]

  • Risikolimits: Begrenzung des Anteils, der ungesichert bleibt und damit sowohl von steigenden als auch von fallenden Marktpreisen betroffen sein kann. [2]

  • Verbrauchsprognosen: Laufender Abgleich zwischen geplantem und tatsächlichem Strombedarf, um offene Mengen bei Bedarf anzupassen. [2]

  • Klare Zuständigkeiten: Festlegung, wer Beschaffungsentscheidungen vorbereitet, freigibt und umsetzt. [2]

So bedeutet Flexibilität im Portfoliomodell nicht, jederzeit beliebig handeln zu können. Sie schafft vielmehr einen klar definierten Handlungsspielraum, in dem Unternehmen ihre Strombeschaffungsstrategie kontrolliert an veränderte Marktbedingungen und den tatsächlichen Energiebedarf anpassen können. [1][3][8][9][10][13][14]

Mythos 4: „Der Spotmarkt macht mich abhängig"

Häufig heißt es, dass ein Spotmarkt-Anteil das Portfoliomodell besonders riskant macht, weil Unternehmen kurzfristigen Preisschwankungen ausgeliefert scheinen, wenn sie ihren Strom nicht vollständig zu einem Festpreis einkaufen.

Das ist ein Mythos: Der Spotmarkt-Anteil ist im Portfoliomodell von vornherein klar begrenzt und gezielt gesteuert. Statt das Risiko auf ungünstige Preise zu erhöhen, eröffnet er zusätzliches Sparpotenzial. [1][3][5][8][9][10][12][13][14]


Person analysiert Diagramme zu Energieverbrauch und Strombeschaffung eines Industrieunternehmens

Was beim Portfoliomodell wirklich stimmt: Kontrollierter Baustein mit Sparpotenzial

Im Portfoliomodell macht der Spotmarkt-Anteil einen begrenzten Teil der Gesamtmenge aus, der durch klar definierte Regeln zusätzliche Chancen auf Einsparungen bietet. [1][3][5][8][9][10][12][13][14]

Konkret erfüllt der Spotmarkt-Anteil im Portfoliomodell zwei Aufgaben:

  • Verbrauchsausgleich: Der Spotmarkt-Anteil gleicht Abweichungen zwischen geplantem und tatsächlichem Verbrauch aus. [5][12]

  • Preisvorteile: Der Spotmarkt-Anteil ermöglicht es, gezielt von Preisvorteilen zu profitieren, die ein reiner Festpreiseinkauf nicht bieten kann. [5][12]

Besonders bei den Preisvorteilen des Spotmarkt-Anteils lohnt sich eine nähere Betrachtung. Sie ergeben sich unter anderem aus zwei Faktoren:

  • Nutzung von Negativpreisstunden: Bei hoher Wind- und Solareinspeisung können Spotmarktpreise stark sinken oder negativ werden. Ein Spotmarktanteil ermöglicht es, davon zu profitieren. Mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien wird diese Chance zunehmend relevanter. [5][12][15]

  • Vermeidung von Risikoaufschlägen: Terminmarktpreise enthalten in der Regel Risikoaufschläge, mit denen Verkäufer eigene Preisunsicherheiten einpreisen. Spotmarktpreise enthalten diese nicht. Unternehmen zahlen dadurch näher am aktuellen Strommarktpreis. [13]

Damit diese Chancen nicht zum Risiko werden, bleibt der Spotmarkt-Anteil von vornherein begrenzt: Den größten Teil des Strombedarfs sichern Unternehmen frühzeitig über den Terminmarkt oder PPAs ab. Nur ein festgelegter Teil wird kurzfristig am Spotmarkt eingekauft. [1][3][5][8][9][10][12][13][14]

Für den begrenzten Spotmarkt-Anteil gelten im Portfoliomodell klare Regeln:

  • Spot-Anteil: Festlegung des Anteils des Strombedarfs, der kurzfristig über den Spotmarkt beschafft werden darf. [2]

  • Absicherungsquote: Definition des Mindestanteils des erwarteten Strombedarfs, der frühzeitig zu bekannten Preisen gesichert werden muss. [2]

  • Preis- und Risikogrenzen: Festlegung der Bedingungen, unter denen der offene Bedarfsanteil reduziert oder zusätzlich abgesichert wird. [2]

  • Verbrauchsprognosen: Laufender Abgleich zwischen geplantem und tatsächlichem Strombedarf, um offene Mengen gezielt über den Spotmarkt auszugleichen. [2]

Unternehmen definieren durch diese Regeln im Voraus, wie hoch ihr maximales Preisrisiko ist, und können die Vorteile des Spotmarkts nutzen, ohne die Kontrolle über ihre Energiekosten zu verlieren. [1][3][5][8][9][10][12][13][14]

Spotmarkt im Portfoliomodell: Sparpotenziale kontrolliert nutzen

Unternehmen sollten einen Spotmarkt-Anteil nicht per se als Risiko ablehnen, sondern als kontrollierbare Chance verstehen. Ist der Spotmarkt-Anteil klar begrenzt und in eine strukturierte Beschaffungsstrategie eingebettet, lassen sich günstige und negative Preisphasen gezielt nutzen und die Risikoaufschläge des Terminmarkts vermeiden, ohne dabei die Kontrolle über das Preisrisiko zu verlieren. [1][3][5][8][9][10][12][13][14]

Mythos 5 – „Das Portfoliomodell bedeutet für uns zu viel internen Aufwand"

Viele Unternehmen befürchten, dass das Portfoliomodell regelmäßige Beschaffungsentscheidungen, Marktbeobachtung, zusätzliches Fachwissen und Personalressourcen im Unternehmen erfordert.

Diese Sorge ist unbegründet: Beim Portfoliomodell liegt der laufende operative Aufwand nicht beim Unternehmen, sondern bei einem erfahrenen Beschaffungspartner. [4]

Was beim Portfoliomodell wirklich stimmt: Operativer Aufwand beim Partner, Kontrolle beim Unternehmen

Ein Portfoliomodell erfordert tatsächlich mehr Prozesse als ein Festpreisvertrag, aber nicht zwangsläufig mehr internen Aufwand, da viele wiederkehrende, zeitaufwändige Aufgaben von externen Partnern übernommen werden können. [1][3][4][8][9][10][13][14]

Das Unternehmen legt einmalig Ziele, Budget, Risikorahmen und Entscheidungswege fest. Die komplette operative Umsetzung im Portfoliomodell, über Terminmarkt, Spotmarkt und PPA hinweg, übernimmt ein erfahrener Beschaffungspartner. [1][3][4][8][9][10][13][14]

Trotz dieser Aufgabenabgabe bleibt die strategische Verantwortung und damit die Kontrolle über Richtung und Risiko vollständig im Unternehmen: Jede Beschaffungsempfehlung des Partners wird dem Unternehmen zur Freigabe vorgelegt, nichts läuft ohne dessen Zustimmung. [1][3][4][8][9][10][13][14]

Damit die Aufgabenteilung im Portfoliomodell funktioniert, braucht es klar definierte Zuständigkeiten, Freigabeprozesse und Risikogrenzen. Die Aufgaben verteilen sich dabei typischerweise wie folgt:

Unternehmen

Externer Beschaffungspartner

Beschaffungsziele definieren

Markt kontinuierlich beobachten

Budget- und Risikorahmen festlegen

Beschaffungsstrategie operativ steuern

Grundsätzliche Strategie festlegen

Strommengen innerhalb der Strategie beschaffen

Beschaffungsempfehlungen freigeben

Empfehlungen aussprechen und nach Freigabe umsetzen

Ergebnisse bewerten

Bereitstellen von Daten (Preise, Verbräuche, Kosten)

Die Tabelle zeigt: Auf Unternehmensseite bleiben punktuelle, strategische Entscheidungen, die laufende, zeitintensive Arbeit dahinter übernimmt der Partner.

Portfoliomodell mit wenig internem Aufwand umsetzen

Entscheidend ist die Wahl eines verlässlichen Beschaffungspartners, der den operativen Energieeinkauf übernimmt und gleichzeitig Transparenz und Kontrolle sichert. Bei der Auswahl eines Partners lohnt es sich deshalb, gezielt zu prüfen, wie viel operative Arbeit tatsächlich abgenommen wird und wie viel Transparenz und Kontrolle dabei erhalten bleibt. [1][3][4][8][9][10][13][14]

So bleibt das Portfoliomodell eine effiziente Strombeschaffungsstrategie, ohne dass Unternehmen die Steuerung aus der Hand geben. [1][3][4][8][9][10][13][14]

Was unsere Kunden zum Portfoliomodell sagen

Erfolge sprechen für sich: Wein- und Sektkellerei Jakob Gerhardt senkt Energiekosten um 23 %

Die Wein- und Sektkellerei Jakob Gerhardt aus Rheinhessen blickt auf mehr als 275 Jahre Unternehmensgeschichte zurück und bewirtschaftet 75 Hektar Rebfläche. Als mittelständisches Unternehmen ohne eigenes Energieeinkaufsteam suchte sie nach einer planbaren und ganzheitlichen Beschaffungsstrategie.

Mit einer portfoliobasierten Strombeschaffung unterstützt trawa die Kellerei dabei, erneuerbaren Strom strategisch einzukaufen und gleichzeitig den PV-Eigenverbrauch sowie die Batteriespeichersteuerung zu optimieren. So konnte Jakob Gerhardt die Energiekosten um 23 % senken.

„Durch trawa ist unsere Energieversorgung vom Risikofaktor zu einem planbaren Wettbewerbsvorteil geworden.“
Jens Sonnek, Prokurist und Vertriebsleiter, Wein- und Sektkellerei Jakob Gerhardt

Jens Sonnek, Prokurist und Vertriebsleiter in der Wein- und Sektkellerei Jakob Gerhardt

Quelle: @Ben Brauers (Jens Sonnek, Prokurist und Vertriebsleiter, Wein- und Sektkellerei Jakob Gerhardt)

Was alle fünf Mythen über das Portfoliomodell gemeinsam haben

Alle fünf Mythen über das Portfoliomodell entstehen dort, wo die Funktionsweise des Modells nicht bekannt ist oder einzelne Bestandteile isoliert betrachtet werden. Nicht das Modell selbst ist grundsätzlich riskant oder ungeeignet, entscheidend sind seine konkrete Ausgestaltung und die zugrunde liegenden Regeln. [1][3][8][9][10][13][14]

Wer die zugrunde liegenden Mechanismen des Portfoliomodells versteht, kann es sachlich bewerten und seine Vor- und Nachteile realistisch einordnen. Das schafft nicht nur mehr Sicherheit bei der Wahl der passenden Beschaffungsstrategie, sondern erleichtert auch die interne Kommunikation und Begründung von Beschaffungsentscheidungen. [1][3][8][9][10][13][14]

Sie möchten herausfinden, ob eine portfoliobasierte Strombeschaffung zu Ihrem Unternehmen passt? 

trawa unterstützt Sie dabei, die passende Strombeschaffungsstrategie zu entwickeln, Risiken klar zu begrenzen und Einsparpotenziale gezielt zu nutzen, ohne einen eigenen operativen Energieeinkauf aufbauen zu müssen.

Quellen

[1] Berg, M. & Borchert, S. (2012). Strategischer Energieeinkauf: Der Energieeinkauf zwischen liberalisierten Märkten und einer wechselhaften Energiepolitik in Deutschland (3. Aufl.). Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. https://en.koinno-bmwi.de/fileadmin/user_upload/publikationen/BME_Energieeinkauf_3.Auflage.pdf

[2] Berlinghof, B., Fried, J., Härle, P. A., Hufendiek, K., Köhler, C., Pilgram, T., Scholz, F., Schuler, A., Schwintowski, H.-P. & Specht, H. (2025). Handbuch Energiehandel (H.-P. Schwintowski, F. Scholz & A. Schuler, Hrsg.; 6. Aufl.). Erich Schmidt Verlag. https://doi.org/10.37307/b.978-3-503-24014-2

[3] Bolay, S., Becker, M., Lempp, B. & Stühm, T. (2020). Strombeschaffung und Stromhandel. Deutsche Industrie- und Handelskammer. https://www.dihk.de/resource/blob/153728/6b374abd68f83c368ed7d9cc68dadcd0/energie-dihk-faktenpapier-strombeschaffung-und-handel-data.pdf

[4] Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. (o. D.). Energie-Contracting. https://www.bfee-online.de/BfEE/DE/Energiedienstleistungen/Contracting/contracting_node.html

[5] Bundesnetzagentur. (o. D.). Großhandelspreise. Strom- und Gasmarktdaten. https://www.smard.de/page/home/wiki-article/446/562/grosshandelspreise

[6] Europäischer Rat / Rat der Europäischen Union. (2024). Marktauswirkungen der Invasion der Ukraine durch Russland: Reaktion der EU. https://www.consilium.europa.eu/de/about-site/

[7] European Union Agency for the Cooperation of Energy Regulators. (o. D.). Power Purchase Agreements (PPAs). European Union Agency For The Cooperation Of Energy Regulators. https://www.acer.europa.eu/electricity/market-monitoring/ppas

[8] Fleckenstein, H. (2018). Tipps für Beschaffungsstrategien im unsicheren Energiemarkt. Beschaffung Aktuell. https://beschaffung-aktuell.industrie.de/artikel/tipps-fuer-beschaffungsstrategien-im-unsicheren-energiemarkt/

[9] Godek, M. (2026). Hedging ist kein Hexenwerk. Beschaffung Aktuell. https://beschaffung-aktuell.industrie.de/artikel/hedging-ist-kein-hexenwerk/

[10] Heidjann, J. (o. D.). Strombeschaffungsmodelle für Gewerbekunden. StromAuskunft. https://www.stromauskunft.de/gewerbestrom/strombeschaffungsmodelle/

[11] Industrie- und Handelskammer (IHK) Fulda. (2025). Stromeinkauf optimieren. https://www.ihk.de/fulda/innovation/energie/emergiekosten-senken/energieeinkauf-3408680

[12] Kittel, M., Roth, A. & Schill, W.-P. (2022). Strommarkt erklärt: Preisbildung, Preiskrise und die „Strompreisbremse“: Ein Beitrag zur aktuellen Debatte über Eingriffe in den Strommarkt. Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung. https://www.diw.de/documents/publikationen/73/diw_01.c.858016.de/diwkompakt_2022-184.pdf

[13] Krümmel, P. & Wesche, C. (2023). Energiebeschaffungsmodelle und deren Wirkung auf End- kundenbelieferung. Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft. https://www.bdew.de/media/documents/Awh_20230314_Fakten_und_Argumente_Energiepreise_Börse_Endkundenmarkt_GySyvYK.pdf

[14] Müsgens, F. & Steinhausen, B. (2010). Portfoliomanagement: Optimale Energiebeschaffung unter Berücksichtigung von Risiken. Zeitschrift für Energiewirtschaft, 34(2), 109–116. https://doi.org/10.1007/s12398-010-0014-0

[15] Netztransparenz. (o. D.). Negativer Spotmarktpreis – Übersichtstabellen. https://www.netztransparenz.de/de-de/Erneuerbare-Energien-und-Umlagen/EEG/Transparenzanforderungen/Marktprämie/Negativer-Spotmarktpreis-Übersichtstabellen

[16] Weigel, M., Förster, R. & Wagon, F. (2023). Risikomanagement in der Strombeschaffungunter Nutzung industrieller Energieflexibilität. Zeitschrift für Energiewirtschaft, 47(4), 26–45. https://doi.org/10.1007/s12398-023-0936-y

With trawa you bring your energy procurement to the level of multinationals.

Questions? We have answers.

Do I have to commit to using wind power for a long period?

What data can I see in the energy management software?

How does the trawa green power procurement work?

What is the minimum power requirement to be able to use the electricity supply?

How much can I save on electricity costs with trawa?

What are PPAs and how do they work in the trawa system?

Can I adjust my energy mix based on specific preferences?

What are the advantages of green electricity sourcing from trawa?

What happens when my consumption profile changes?

Can trawa take over procurement for multiple company locations?

Questions? We have answers.

Do I have to commit to using wind power for a long period?

What data can I see in the energy management software?

How does the trawa green power procurement work?

What is the minimum power requirement to be able to use the electricity supply?

How much can I save on electricity costs with trawa?

What are PPAs and how do they work in the trawa system?

Can I adjust my energy mix based on specific preferences?

What are the advantages of green electricity sourcing from trawa?

What happens when my consumption profile changes?

Can trawa take over procurement for multiple company locations?

trawa Newsletter

Your overview of the energy market

Current insights into the energy market and expert knowledge on professional power supply for small and medium-sized businesses.

trawa Newsletter

Your overview of the energy market

Current insights into the energy market and expert knowledge on professional power supply for small and medium-sized businesses.

trawa Newsletter

Your overview of the energy market

Current insights into the energy market and expert knowledge on professional power supply for small and medium-sized businesses.

×
Marktstudie 2026 · Kostenlos

Kennen Sie schon?
Unseren Energie-Monitor 2026

Der Strommarkt verschiebt sich Richtung (teil-)dynamische Beschaffung. Der Energie-Monitor 2026 zeigt, wie der Mittelstand gerade tickt.

×
trawa Portfolio · In 3 Minuten erklärt

Lernen Sie das
trawa Portfolio kennen

Kurz Daten eintragen und direkt sehen, wie trawa Ihren Energiebezug mit KI-gesteuerter Beschaffung optimiert – Bis zu 40 % Kosten senken.