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Marktstudie 2026: So gehen deutsche Unternehmen mit steigenden Energiekosten um

Geschrieben von:
Anne Fischer

Marktstudie zu Energiekosten und Strombeschaffung im deutschen Mittelstand veröffentlicht
Energiekosten sind für den deutschen Mittelstand die größte wirtschaftliche Herausforderung
69 % der Unternehmen wollen künftig flexibler Strom beschaffen
Über 70 % beschäftigen sich mit dem Einsatz von Batteriespeichern
81 % kritisieren den bürokratischen Aufwand beim Industriestrompreis
trawa hat am 16. Juni den Energie-Monitor Mittelstand 2026 veröffentlicht. Die Marktstudie zeigt: Energiekosten belasten den deutschen Mittelstand stärker als je zuvor. Gleichzeitig ist eine klare Bewegung hin zu flexibleren Strombeschaffungsmodellen erkennbar.
Über viele Jahrzehnte hinweg waren die Energiemärkte stabil. Preisschwankungen und Marktstrukturen waren überschaubar. Das hat sich insbesondere seit 2022 grundlegend verändert.
Zwei Entwicklungen treiben diese Veränderung:
Erstens sorgt der zunehmende Anteil erneuerbarer Energien in der Stromerzeugung dafür, dass Energieerzeugung und Energienachfrage immer stärker entkoppelt werden. Börsenpreise schwanken dadurch deutlich stärker.
Zweitens hat die durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine ausgelöste Energiekrise im Jahr 2022 die Menschen in vielen Unternehmen verunsichert. Besonders betroffen: Firmen in energieintensiven Branchen, für die günstige und planbare Energiekosten lange selbstverständlich waren.
Mittelständische Unternehmen haben häufig keine spezialisierten Personal-Kapazitäten für komplexe Energiethemen und stoßen in diesem neuen Umfeld besonders schnell an ihre Grenzen.
Genau hier setzt der Energie-Monitor Mittelstand 2026 an, um die Auswirkungen der sich wandelnden Marktstrukturen besser zu verstehen. Das Marktforschungsinstitut INNOFACT AG hat hierfür Energieverantwortliche aus mittelständischen Unternehmen befragt. Im Auftrag von trawa.
Das Ziel: ein klares, datenbasiertes Bild davon zu zeichnen, wie der deutsche Mittelstand heute mit Energiekosten umgeht und wie die Zukunft aussehen soll.
Energiekosten schlagen Lohnkosten
Für mittelständische Unternehmen aus energieintensiven Branchen sind Energiekosten heute die drängendste wirtschaftliche Herausforderung – noch vor dem Fachkräftemangel und der schwachen Konjunktur. Sie belasten diese Unternehmen sogar stärker als die Lohnkosten.
Doch der Blick richtet sich auch hoffnungsvoll in die Zukunft: Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen sieht in den volatilen Energiemärkten auch Chancen. 37 % der Firmen haben als direkte Reaktion auf die Energiekrise 2022 neue interne Kompetenzen für die Energiebeschaffung aufgebaut.
69 % wollen in Zukunft mehr Dynamik bei der Strombeschaffung
Das mit Abstand wichtigste Kriterium bei der Strombeschaffung ist für 86 % der Befragten die Kostensenkung. Aktuell beziehen noch drei Viertel der Unternehmen ihren Strom zum Festpreis, doch das soll sich ändern:
69 % setzen bei der Strombeschaffung in Zukunft auf mehr Dynamik. Die meisten planen den Umstieg auf Modelle mit Anteilen an Börsenstrom oder erneuerbaren Energien.
Volle Flexibilität? Noch nicht für alle
Der Wille zur Veränderung ist da, aber die Bereitschaft zur vollständigen Flexibilisierung hat ihre Grenzen. 75 % der befragten Mittelständler wollen Strom-Bezugsmodelle, die weiterhin einen Festpreisanteil enthalten.
Dynamik, ja, aber mit Absicherung.
Ebenfalls beschäftigen die Unternehmen sich mit dem Thema Echtzeitdaten zum Stromverbrauch und zum Strompreis sowie mit Energiemanagement-Software. Eingesetzt werden diese Instrumente aber längst noch nicht flächendeckend und sind auch nicht in jeder Firma eingeplant.
Trendthema Batteriespeicher: Über 70 % beschäftigen sich damit
Ein weiteres zentrales Ergebnis: Über 70 % der befragten Unternehmen befassen sich mit dem Einsatz von Batteriespeichern. Ein Viertel setzt sie bereits in Zeiten höherer Volatilität im Netz ein. 46 % diskutieren die Nutzung aktiv. Explizit gegen einen Batteriespeicher haben sich lediglich 19 % entschieden.
Die größten Hürden bei der Entscheidung für einen eigenen Energiespeicher: hohe Anschaffungskosten und die Unklarheit darüber, wie schnell sich eine solche Investition amortisiert.
Industriestrompreis: Gewünscht, aber für viele unerreichbar
64 % der Befragten halten staatliche Eingriffe in die Energiemärkte für wichtig, um den Mittelstand abzusichern.
Doch die kürzlich beschlossene staatliche Entlastungsmaßnahme Industriestrompreis erreicht längst nicht alle: Weniger als die Hälfte der befragten Firmen aus Branchen mit erhöhtem Energiebedarf kommt für diese Maßnahme überhaupt in Frage.
Und selbst wer grundsätzlich berechtigt wäre, sieht hohe Hürden: 81 % bemängeln das Missverhältnis zwischen bürokratischem Aufwand und der erwarteten Entlastung.
„Der Energie-Monitor Mittelstand 2026 zeigt deutlich: Der Mittelstand steht unter Druck, aber er bewegt sich. Die Bereitschaft zur flexibleren Strombeschaffung wächst. Was fehlt, sind die richtigen Instrumente und ein regulatorischer Rahmen, der wirklich ankommt." – David Budde, Geschäftsführer von trawa.
Über die Studie
Der Energie-Monitor Mittelstand 2026 wurde von trawa in Auftrag gegeben und vom Marktforschungsinstitut INNOFACT als Online-Befragung durchgeführt. Die Datenerhebung fand vom 23. bis 26. Februar 2026 in Deutschland statt.
Befragt wurden 304 Personen aus mittelständischen energieintensiven Unternehmen mit 50 bis 1.000 Mitarbeitenden.
Die Studie untersucht, welche Herausforderungen den deutschen Mittelstand in Bezug auf Energiekosten umtreiben, wie Unternehmen nach der Energiekrise 2022 auf den Energiemarkt blicken, welche Strombeschaffungsmodelle aktuell genutzt werden und was geplant ist. Außerdem wurde analysiert, was mittelständische Firmen vom Einsatz von Batteriespeichern halten und wie die regulatorische Maßnahme des Industriestrompreises bewertet wird.
Die vollständige Marktstudie mit allen relevanten Informationen zur Energiebeschaffung für den Mittelstand finden Sie hier
Hinweis: Die Datenerhebung fand vor den jüngsten geopolitischen Entwicklungen im Iran statt. Diese sind in den Studienergebnissen nicht berücksichtigt.
Bei Rückfragen zur Marktstudie kontaktieren Sie uns gerne. Ihre Ansprechperson ist Zoe Schirren (zoe.schirren@trawa.de).
Quelle: trawa, Energie-Monitor Mittelstand 2026, Erhebungszeitraum 23.–26. Februar 2026, Deutschland.
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